Portrait

Sozialdienst im Hospiz

„Frühling lässt sein blaues Band…“

Vera Thöne begleitet im Sozialdienst des Hospizes St. Barbara Gäste und ihre Angehörigen. In ihrer Arbeit widmet sie sich ganz den körperlichen, seelischen und sozialen Bedürfnissen im Kontext palliativer Betreuung. Inspiriert vom Frühlingsgedicht des deutschen Lyrikers Eduard Mörike lud sie Gäste, Familie, Freunde, Mitarbeiter*innen und Ehrenamtliche dazu ein, sich von der Leichtigkeit der fantasievollen Worte tragen zu lassen. Das Erzählen vom Sehnen und Ahnen der neuen Jahreszeit weckte in Vielen Erinnerungen, Wünsche und Dankbarkeit.

In der Hand hält Vera Thöne eine selbstgestaltete Karte, deren Vorderseite das Gedicht "Er ist’s" von Eduard Mörike ziert: "Frühling läßt sein blaues Band/Wieder flattern durch die Lüfte;/Süße, wohlbekannte Düfte/Streifen ahnungsvoll das Land" steht in geschwungenen Buchstaben darauf. Rückseitig laden Fragen zum Nachdenken und Innehalten ein: "Welche Gefühle weckt der Frühling in Ihnen?" oder "Welche Musik verbinden Sie mit dem Frühling?" Sie hofft, damit positive Erinnerungen zu wecken und etwas Leichtigkeit einziehen zu lassen. "Das kann in dieser schwierigen Zeit nicht verkehrt sein", ist sie sich sicher, "vor allem, da die ersten warmen Sonnenstrahlen dieses Jahr ganz besonders lange auf sich warten lassen."

Jeder, der möchte, kann an der Frühlingsaktion im Hospiz St. Barbara teilnehmen, egal ob Gast, Angehörige, Mitarbeiter*innen oder Ehrenamtliche*r. Die zahlreichen Antworten sind stets mit guten Gedanken gefüllt und schnell wird deutlich, wie sehr sich alle auf den Frühling freuen. Begeistert von der Idee, werden die Mitwirkenden selbst zum Dichter: "…Verliebte knutschen ohne Verdruss" (Auszug).

Und so sitzen die Gäste am gemeinsamen Esstisch in der großen Wohn-Küche und lassen sich vom dichterischen Sehnen mitreißen. "Wenn Sie an einem Frühlingsmorgen erwachen, was möchten Sie am liebsten sofort unternehmen?", fragt Vera Thöne in die Runde. Herr S. und Frau T. sind sich schnell einig. "Wir wecken früh alle Gäste und frühstücken gemeinsam im Innenhof. Dazu erzählen und lachen wir, trinken ein Glas Sekt. Wir genießen es, die Zimmer zu verlassen und in Bewegung zu sein. So vergessen wir alle für einen Moment unsere Krankheit." Für Herrn S. ist klar: "Aufgeben ist keine Option. Ich möchte andere mit meinem Optimismus anstecken." Es ist schön an den Frühling zu denken, betonen beide. Frau T. fängt an zu träumen. Sie wünscht sich, dass es ein bisschen wärmer wird. In Spanien, in ihrer Heimat, ist sie ganz andere Temperaturen gewohnt.

Vera Thöne kommt auch mit Herrn N. ins Gespräch. Auf die Frage, wie die Frühlingsstimmung für besondere Aufgaben genutzt werden kann, antwortet er voller Freude: "Ich bin unternehmungslustig, möchte wieder besser laufen lernen. Jeden Tag trainiere ich fleißig mit dem Pflegepersonal. Ich plane sogar meinen Urlaub, zu mindestens im Kopf. Schließlich haben wir immer Urlaub im Frühling geplant." Herr N. lacht, was der Frühling so alles mit einem macht…

"Ich bin beseelt von den Worten unsere Gäste, die nicht nur mir, sondern uns Allen so viel geben", sinnt Vera Thöne nach, "In diesem Miteinander erleben wir Dankbarkeit und eine Stille, die so viel in sich trägt. Häufig sind es die kleinen Dinge, die unseren Alltag bereichern, die unsere Arbeit im Hospiz so wertvoll machen."