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Stand: 07.04.2020

Pressemitteilung

Hilfe beim Abschiednehmen

Trauernde nicht allein lassen

Koordiniert wird es von Trauerbegleiterin Petra Blumenstein, bei seiner Umsetzung helfen Ehrenamtliche sowie Mittel der Lotterie GlücksSpirale von LOTTO Hessen.

Der Tod gehört zum Leben, so sagt man. Und doch liegt es in der Natur des Menschen, sich lieber nicht damit zu beschäftigen, ist auch Petra Blumenstein, Koordination Trauerbegleitung beim Caritasverband Hochtaunus, bewusst. "Ein unerwarteter Anruf, der Tod eines Freundes oder der Eltern, und viele sehen sich schlagartig mit der eigenen Trauer konfrontiert, mit der Frage, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen. Und dann kommen die Leute auch zu mir", erzählt die Diplom-Sozialpädagogin. Seit knapp zwei Jahren steht sie Trauernden im Hochtaunus zur Seite, um bei gemeinsamen Spaziergängen, Einzel- oder Gruppengesprächen das Gefühlschaos zu verarbeiten und den Verlust ins eigene Leben zu integrieren. "Wenn der Alltag aus den Fugen gerät, braucht es vor allem eines: Zeit - und einen geschützten Rahmen, in dem alles ausgesprochen werden darf, was einen bewegt, ob Angst, Schuld, Zweifel, Wut oder auch Erleichterung", so Blumenstein.

Beides macht seit Anfang 2022 das Pilotprojekt des Caritasverbands für den Bezirk Hochtaunus e.V. möglich. "Ohne die Förderung der GlücksSpirale hätten wir die Trauerarbeit nicht auf eigene Beine stellen können, als Ergänzung zur Sterbebegleitung im Hospiz. Das ist bisher einmalig im Hochtaunus", sagt Blumenstein. Mehr als 70 Menschen wurden seit Projektstart über die Einzel- und Gruppenangebote erreicht, dazu kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an offenen Veranstaltungen wie den monatlichen Trauerspaziergängen. "Während die Einzelbegleitung vor allem genutzt wird, wenn der Verlust noch sehr nah erscheint, dient die Trauergruppe dem Austausch mit Gleichgesinnten. Trauerspaziergänge setzen noch einmal einen anderen Schwerpunkt - hier geht es um die gemeinsame Bewegung und das Erleben der Natur als Kraftquelle."

Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, bietet der Caritasverband Hochtaunus Einsteigerkurse für Interessierte an, die sich zum Trauerbegleiter beziehungsweise zur Trauerbegleiterin im Ehrenamt schulen lassen möchten. Bereits 20 Menschen haben bislang eine solche Qualifizierung abgeschlossen, von denen die meisten aktiv in die Trauerarbeit einsteigen möchten. "Wir freuen uns über geduldige, empathische Menschen, die sich dieser verantwortungsvollen Aufgabe stellen und unsere Angebote kennenlernen möchten", betont Blumenstein. Die nächsten Kurse sollen im Frühjahr 2024 stattfinden.

Noch bis Ende des Jahres ist die Projektstelle von Petra Blumenstein finanziell gesichert, auch dank der Lottomittel aus der GlücksSpirale in Höhe von 58.562 Euro. "Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr erneut auf die Unterstützung von LOTTO Hessen bauen dürfen. Der Folgeantrag zur weiteren Projektförderung ist bereits gestellt", sagt die Projektverantwortliche. "Auch Spenden sind für uns immer eine große Hilfe, damit wir eine umfangreiche und fundierte Ausbildung der Ehrenamtlichen gewährleisten können."

Neben den bestehenden Angeboten ist im November auch die erste digitale Trauergruppe gestartet, um noch mehr Menschen zu erreichen - sowohl interessierte Ehrenamtliche als auch Trauernde, die zum Beispiel aus zeitlichen Gründen kein persönliches Treffen schaffen oder eine distanziertere Kontaktaufnahme bevorzugen. "Jeder trauert anders und daher wollen wir weitere Formate entwickeln, Trauerarbeit braucht Mut zum Experimentieren", davon ist Blumenstein überzeugt.

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Im Interview

Petra Blumenstein

"Trauer braucht einen Schutzraum"

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